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Die Therapie
In vielen Fällen heilen die durch M. canis hervorgerufene Hautveränderungen ohne Therapie ab. Einige Katzenhalter sehen dann keine Notwendigkeit einer Therapie, die nicht nur Kosten- sondern auch zeitintensiv ist und mit möglichen Nebenwirkungen behaftet sein kann. Auch wenn für den Tierarzt die Heilung der Katze im Vordergrund steht, so ist es nicht weniger wichtig, den Tierhalter und andere Personen vor einer Infektion zu schützen. Für den Menschen stellt M. canis eine besondere Gefahr dar (Romano, 1999). Im Jahre1994 berichtete Böhm bereits davon, dass drei von vier menschlichen Pilzinfektionen von Katzen stammen. Mit der Zunahme der Katzenpopulation bis heute, ist mittlerweile mit einer weit höheren Infektionsrate zu rechnen. Betroffen sind überwiegend Kinder (Jehn, 1997), die neben dem noch nicht so gut entwickelten Immunsystem (Moriello u. De Boer, 1995) ein zusätzlich erhöhtes Risiko tragen, da sie altersgemäß einen sehr engen Kontakt zu den Tieren haben (Böhm, 1994). Die Mikrosporie kann in Kindergärten und Schulen endemisch auftreten (Jehn, 1997). Abwehrschwache Personen gelten allgemein als besonders empfänglich für M.canis-Infektionen (Moriello u. De Boer, 1995). Es ist ungemein wichtig für den Tierarzt, auch aus juristischen Gründen, seine Kunden hinsichtlich Therapie und Gefahren der Mikrosporie zu beraten. Eine Therapie sollte immer nach einem positiven Test durchgeführt werden, selbst wenn bis zum Erhalt des Ergebnisses der Pilzkultur keine klinisch auffälligen Hautareale mehr vorhanden sind. Bei einem akuten Infektionsverdacht muss immer die Therapie umgehend begonnen werden, auch wenn noch kein eindeutiger Befund vorliegt. Ziel der Therapie ist zum einen die Verkürzung der Krankheitsdauer, zum anderen die Verhinderung der Ausbreitung und Ansteckungsgefahr. Pilzsporen verbreiten sich leicht und können jahrelang ihre Infektiosität beibehalten. Die hohe Tenazität der Sporen machen eine gründliche und langwierige Prozedur der Desinfektion deshalb unumgänglich (Rycroft u. Mc Lay, 1991; Mignon u. Losson, 1997; Paterson, 2000). Eine vollständige Entfernung aller Keime ist schwierig, aber möglich (Griffin, 1993; Böhm, 1996).
Topische Therapie
Sichtbare Läsionen auf der Haut können äußerlich behandelt werden. Die topische Therapie ist erforderlich, um das Übertragungsrisiko und die Kontamination der Umgebung zu unterbinden. Kontraindiziert sind Kortikosteroide, die eine immunsuppressive Wirkung haben. Sie Erleichtern die Ansiedlung des Pilzes und können das klinische Bild noch verschlimmern. Nichtsteroidale Antiphlogistika sind ebenfalls zu vermeiden, da eine lokale Entzündung die Heilung beschleunigt. (De Keyser u. van den Brande, 1983). Die bei langhaarigen Katzen empfohlene Schur des Felles birgt die Gefahr, dass infolge von gesetzten Mikrotraumen neue Infektionsherde entstehen (De Boer u. Moriello, 1995; Griffin, 1993; Peters, 2000).
Topische Therapie mit Salben und Cremes
Die lokale Applikation von Salben oder Cremes ist als Alleintherapie bei klinisch inapperenten Katzen oft unzureichend (Kroker, 1994; De Boer u. Moriello 1995; Moriello, 1996; Paterson, 1999; Peters, 2000).
Topische Therapie mit Bädern und Waschungen
Enilconazol ist ein synthetisches Antimykotikum mit einer stark fungiziden Wirkung gegen Dermatophyten bei Rind, Pferd und Hund. Waschungen oder Ganzkörperbäder mit Enilconazol sind erfolgversprechender als die Anwendung von Salben und Cremes (Liebl, 1982; Brumm, 1985; Janssen-Müller, 1988; Moriello, 1990; Mayr, 1993; Moriello u. De Boer, 1995; Peters, 2000). Die empfohlene Verdünnung beträgt 1:50, also eine 2%ige Gebrauchslösung, was einer 0,2prozentigen Wirkstoffkonzentration entspricht (Desplenter, 1989). Die primäre antimykotische Wirkung beruht auf einer Hemmung der Biosynthese des Ergosterins, welches ein essentieller Bestandteil der Zellmembran von Pilzen und Hefen ist. Für Katzen besitzt es keine Zulassung, ist aber bei ihnen ebenfalls gut wirksam und das Mittel der Wahl. Im Rahmen einer Umwidmung kann es verabreicht werden. Vier Behandlungen im Abstand von drei bis vier Tagen sind meist ausreichend.
Systemische Therapie
Alternativ oder zusätzlich empfiehlt sich die systemische Therapie mit einem fungistatisch wirkenden Antimykotikum, z.B. Griseofulvin, oder einem fungiziden Imidazolderivat, z. B. Ketoconazol (Weiss, 1983; Brumm, 1985; Janssen-Müller, 1988; Griffin, 1993; Kroker, 1994) oder Itraconazol (Moriello, 1990; De Boer u. Moriello, 1995; Moriello u. De Boer, 1995; Wildfeuer u. Seidl, 1995; Carlotti 1997; Mancianti et al., 1997; Peters, 2000). Als Gegenanzeigen für Griseofulvin sind Trächtigkeit, Juvenilität (bis zum Alter von 10 Wochen) und Leberschäden bekannt. Bei den Rassen Siam, Abessinier und Himalayan ist eine Behandlung abzuwägen (Ackermann, 1991; Kroker, 1994; De Boer u. Moriello, 1995; Moriello, 1996; Paterson, 2000). Als Nebenwirkungen können bei Griseofulvin und bei den Azolderivaten gastrointestinale Reizerscheinungen und toxische Leberschäden auftreten. Bei Griseofulvin kann es zu einer (idiopathischen)Leukopenie kommen (De Keyser u. Van Den Brande, 1983; Heymann, 1986; Van Winkle, 1987; De Boer u. Oriello, 1995; Frey u. Löscher, 1995; Mancianti et al., 1998; Peters, 2000). Bei der Gabe von Itraconazol ist die Lebertoxizität, da es in Intervallen angewendet wird, deutlich geringer bei guter Wirksamkeit (Mancianti et al., 1998). Lufenuron wurde erstmals 2000 in einer Publikation im Rahmen der Behandlung mit M. canis genannt (Ben-Ziony, 2000). Lufenuron ist ein oral zu applizierender Insektenentwicklungshemmer mit ovizider und larvizider Wirkung. Die Wirkung des Lufenurons beruht auf der Hemmung der Synthese, Polymerisation und Deposition von Chitin. Da die Zellwände von Pilzzellen ebenfalls aus verschiedenen Polysacchariden, insbesondere Chitin, Chitosan, Glucan und Mannan bestehen, besitzt Lufenuron auch fungizide Wirkung (Ben-Ziony, 2000). Diese Meinung ist auch in vielen Internetforen vertreten und hält sich hartnäckig. Neuere Studien und Untersuchungen können die Wirksamkeit von Lufenuron gegen Dermatophyten nicht bestätigen. Auch eine prophylaktische Wirkung von Lufenuron als Vorbehandlung vor Belastungsexposition konnte nicht festgestellt werden. Oral verabreichtes Lufenuron verhindert weder eine Dermatophytose, noch verändert es den Verlauf der Infektion (Moriello, 2004). Cieslicki stellte 2005 fest, dass Lufenuron in einer Dosierung von 120mg/kg bei der klinischen Dermatophytose der Katze zwar zu klinischen Heilungsraten von 72% (orale Gabe) respektive 90% (Injektion) führt, die mikrobiologischen Heilungsraten jedoch mit 27% bzw. 20% sehr gering waren. Bei latenten Trägern war Lufenuron mit 0 bzw. 11 % mykologischer Heilung wirkungslos.
Topische und systemische Therapie
Der Vorteil der kombinierten systemischen und topischen Waschungstherapie ist die Beseitigung der Erreger aus dem Haarkleid. Zusätzlich wird das Eindringen des Pilzes in die Haut durch Einlagerung des Wirkstoffes in diese verhindert. (Kroker, 1994; Paterson, 1999; Peters, 2000). Es empfiehlt sich subklinisch infizierten Katzen zu baden, auf eine systemische Therapie kann bei diesen Katzen verzichtet werden (Peters, 2000).
Therapiedauer
Die Behandlung wird so lange bei klinisch auffälligen Katzen fortgesetzt, bis ein Therapieerfolg sichtbar ist. Die Dauer beläuft sich auf ein Minimum von sechs bis acht Wochen, da vier Wochen nach Behandlungsbeginn eine kulturelle Pilzuntersuchung eingeleitet wird, deren Ergebnis im Durchschnitt drei bis vier Wochen dauert. Wird kein M. canis mehr nachgewiesen, ist die Behandlung beendet. Sollte das Ergebnis positiv sein, wird noch mal vier Wochen weiter behandelt und anschließend eine erneute Pilzkultur angefertigt. Erst wenn zwei negative Testergebnisse mit einem vierwöchigen Abstand vorliegen, ist die Behandlung beendet.
Desinfektion
Microsporum canis kann ohne Wirt jahrelang überdauern. Eine Infektion oder auch Reinfektion ist von unbelebten Vektoren wie Möbeln und Teppichen sowie Katzenspielzeug möglich. Die Hygiene der Umgebung ist von entscheidender Bedeutung. Eine noch so gewissenhaft und intensiv durchgeführte Therapie der Tiere ist ohne gleichzeitige Reinigung der Lagerstätten durch Saugen und Wischen, Beseitigung der Haare und der Staubsaugerbeutel, besonders aber regelmäßige Desinfektion der Möbel, Decken, Kratzbäume, Bürsten etc. meist nie von dauerhaftem Erfolg gekrönt (Janssen-Müller, 1988; Rycroft u. McLay, 1991; Griffin, 1993; Kroker, 1994; De Boer u. Moriello, 1995; Mignon u. Losson, 1997; Paterson, 2000). Die Kleidung der Katzenhalter und die Textilien der Katzenlager müssen in die Umgebungsbehandlung einbezogen werden. Kochwäsche ist als keimfrei anzusehen (Janssen-Müller, 1988). Textilien, die bei niedrigeren Temperaturen gewaschen werden, können durch Zusatz fungizider Mittel zum Spülgang hygienisch unbedenklich gemacht werden. Das Mittel der Wahl für die Desinfektion ist Chlorbleiche. Auch nach einem Tag werden auf behandelten Oberflächen Sporen von M. canis abgetötet. Da Chlorbleiche nicht auf allen Materialien anwendbar ist, muss dies vor dem Aufbringen abgeklärt werden. Alternativ kann dann Enilconazol benutzt werden (Brumm, 1985; Van Cutsem et al., 1985; Wright, 1987; Moriello u. De Boer, 1995; Rochette u. Van Meiraeghe, 1997; Peters, 2000). Die empfohlene Konzentration liegt bei 0,2 % vol. (BRUMM 1985) bzw. 50 mg/m² Oberfläche (Van Cutsem et al., 1985; Rochette u. Van Meiraeghe, 1997). Die Einwirkzeit für Enilconazol beträgt auf glatten Flächen 20 bis 30 Minuten, auf absorbierenden Materialen zwei bis drei Stunden. Von einem großflächigen Einsatz und von Enilconazol-Verdampfern sollte verzichtet werden. Kontrolluntersuchungen der Oberflächen (Bürsten-, Tupfer- oder Abklatschproben) sind empfehlenswert, um die Sporenbelastung der einzelnen Bereiche und den Erfolg der Raumdesinfektion zu überprüfen, und dokumentieren zu können (Paterson, 1999, 2000).
Fazit Der Befall seiner Katze mit Microsporum canis und seine Auswirkung werden von den meisten Katzenhaltern unterschätzt. Für den Züchter bedeutet die Infektion einen deutlichen, wirtschaftlichen Verlust. Insgesamt bedeutet eine M. canis-Infektion in einem Haushalt eine sehr zeit- und arbeitsaufwendige Situation für die Tierhalter. Es ist die Aufgabe des Tierarztes, seinen Kunden die Dauer und Prognose einer M. canis-Behandlung aufzuzeigen. Nicht selten wird aufgrund ungenügender Aufklärung von Seiten des behandelnden Tierarztes während der Behandlung der Tierarzt gewechselt, weil der Therapieerfolg scheinbar ausbleibt. Bereits im Vorfeld müssen die Schwierigkeiten dieser sehr hartnäckigen und ansteckenden Erkrankung besprochen werden.
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