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Microsporum
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Microsporum canis bei der Katze

 

Autor und Copyright bei Dr. med. vet. Michael Streicher, Katzen-Praxis Oberursel

Teil 1: Der Pilz

Teil 2: Die Diagnostik

Teil 3: Die Therapie

 

Pilzerkrankungen bei der Katze sind sehr häufig. Werden Sie vom Tierarzt übersehen und kommt es dadurch zu einem Befall des Menschen, insbesondere Kinder, können diese Fälle zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung führen. Bezüglich der Prophylaxe, Erkennung und Therapie gibt es Unsicherheiten, die noch durch im Internet verbreitetes Laienwissen verstärkt werden.

Das Erscheinungsbild der Pilze ist vielgestaltig und umfasst die einzellige Bäckerhefe genauso ein wie die mehrzelligen Hutpilze, wie man sie aus dem Wald kennt. Von den bis heute 300 000 bekannten Pilzarten ist nur ein kleiner Teil unter bestimmten Bedingungen in der Lage bei Mensch und Tier Krankheiten hervorzurufen. Dieser Bericht möchte den interessierten Kollegen „den Katzenpilz“ etwas näher bringen.

 

Die Pilze bilden neben den Tieren, Pflanzen, und Protisten ein eigenes Reich. Die Lehre von den Pilzen wird als Mykologie bezeichnet. . Das Wort „Pilz“ entstammt dem Althochdeutschen „buliz“ und ist wahrscheinlich vom lateinischen „boletus“ (essbarer Pilz) abgeleitet. Hieraus entwickelt sich über „bülez“ und schließlich „bülz“ die moderne Form des Worts Pilz.

 

Bis zum Jahre 1979 war die Microsporie nach dem Bundesseuchengesetz beim Menschen eine meldepflichtige Erkrankung. Durch das Seuchenrechtsneuordnungsgesetz (SeuchRNeuG) vom 20. Juli 2000 wurde das gesamte, im Wesentlichen aus den 50er und 60er Jahren stammende Seuchenrecht umfassend novelliert. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes traten die bisherigen seuchenrechtlichen Vorschriften wie das Bundes-Seuchengesetz außer Kraft. Mit dem neuen Gesetz soll der Schutz der Bevölkerung vor übertragbaren Krankheiten verbessert werden. Von vielen Ärzten wurde die Entscheidung des Deutschen Bundestages bedauert, die Wiedereinführung der Meldepflicht bei zoophilen Dermatomykosen nicht in das Gesetz mit aufgenommen zu haben.

Einteilung der Hautpilze

Die humanmedizinisch bedeutsamen Pilze lassen sich nach dem DHSB−System in vier Gruppen einteilen:

 

D

Dermatophyten

Epidermophyton, Trichophyton, Microsporum

H

Hefen

Candida, Cryptococcus, Trichosporum

S

Schimmelpilze

Aspergillus, Penicillium,Schwärzepilze

B

Biphasische Pilze

Histoplasma, Coccidioides

 

Die Hautpilze werden in die drei Gattungen Microsporum, Trichophytonund Epidermophytoneingeteilt, von denen bei unseren Haustieren nur Microsporum

Trichophyton vorkommen. Die bekannten Formen der Arten Microsporum Trichophyton in die Gattung Arthroderma . Diese zählt zu der Familie der Arthrodermataceae, der Klasse Euascomycetes und der Unterabteilung

Ascomycotina (MÜLLER u. LOEFFLER 1992).

 

Pilze sind autarke Organismen und deshalb sowohl im Wirt als auch in der Umwelt überlebensfähig. Da sie früher dem Pflanzenreich zugeordnet wurden, folgt ihre Systematik den Regeln der Botanik. Als eukaryonte Mikroorganismen sollten sie neben der asexuellen Vermehrung grundsätzlich auch über einen sexuellen Lebenszyklus verfügen. Aus diesem Grund richtet sich auch die Systematik nach dem Bau ihrer Sexualorgane und sexuellen Fruchtformen. Pilze mit bekannter sexueller Vermehrungsform werden als Fungi perfecti benannt. Bei vielen Pilzen ist ein sexuelles Stadium nicht bekannt, diese werden dann als Fungi imperfecti bezeichnet. 

 

Fortpflanzung der Pilze

Bei den Hautpilzen erfolgt die Vermehrung durch Bildung von Arthrosporen, Diese werden gebildet, indem die bestehenden Hyphen durch Septen gegliedert, und die einzelnen Segmente dann zu Sporen umgebildet werden. Hier unterscheidet man die einzelligen Mikrokonidien und die mehrzelligen Makrokonidien. Hyphensind die fadenförmigen Zellfäden der Pilze. Die Hyphen bilden durch Vernetzung das , den Vegetationskörper der Pilze.

 

Verbreitung der Mikrosporie bei der Katze

Microsporum canis ist der häufigste isolierte Dermatophyt bei der Katze (MEDLEAU u. RISTIC 1992, MORIELLO u. DE BOER 1995b, 1998), durch den bis zu 98% der

Hautpilzinfektionen bei der Katze hervorgerufen werden (DE BOER u. MORIELLO 1995a, BÖHM et al. 1996, ROMANO 1999). Extrem wichtig ist, den Katzenhaltern erkrankter Katzen die auch für sie hohe Infektiosität aufzuzeigen. Die Katze gilt als natürlicher Wirt von M. canis, wobei einsehr hoher Anteil von ihnen latent infiziert ist (MALE et al. 1980, MEDLEAU u. RISTIC 1992, MIGNON et al. 1999). Als latent infiziert werden vollkommen hautgesunde Tiere oder solche mit kaum erkennbaren Veränderungen bezeichnet (BÖHM u. BISPING 1968). Nach überstandener Infektion bleiben Katzen nicht selten latent infitziert und sind somit eine mögliche Infektionsquelle (BÖHM et al. 1996, MIGNON 1999).

BRUMM untersuchte im Jahr 1985 Katzen hinsichtlich einer latenten M. canis Infektion und stellte fest, dass bei über 19% der untersuchten Katzen eine latente Infektion vorlag. Krankheitshäufigkeit der symptomlosen Träger von M. canis bei den Katzen in anderen Ländern bei bis zu 88%, abhängig von Faktoren der geographischen Gegebenheiten und der Dichte der Katzenpopulationen (MEDLEAU u. RISTIC 1992, DE BOER u. MORIELLO 1995, MIGNON u. LOSSON 1997). In der Hauskatzenpopulation ist das Vorkommen von Hautpilzen im Haarkleid nicht so häufig wie dort, wo viele Katzen auf engem Raum leben (BRUMM 1985, DE BOER u. MORIELLO 1995, BÖHM et al.1996). In Katzenzuchten, in denen dieser Hautpilz endemisch vorkommt, kann er von 100% der Tiere isoliert werden (MORIELLO 1990). Diese latent infizierten Tiere stellen ein unerkanntes, dauerhaftes Erregerreservoir und damit eine Infektionsgefahr M. canis in Abheilungfür andere Tiere und auch für Menschen dar (BÖHM 1996, MIGNON u. LOSSON 1997). Latent infizierte Katzen werden vom Dermatophyten als Transportmedium benutzt, um einen neuen Wirt zu erreichen, den sie klinisch manifest infizieren können (BRUMM 1985). Somit fungieren die latent infizierten Tiere als Vektoren, da der Hautpilz oft erst entdeckt wird, wenn andere Lebewesen aus dem Umkreis erkranken (BRUMM 1985, MEDLEAU u. RISTIC 1992).

Abbildung 1: M. canis Infektion bei der Katze in Abheilung

 

Akute Infektion

Abbildung 2: Akute Infektion mit M. canis

 

Verbreitung der Mikrosporie beim Menschen

Mikrosporum canis ist der häufigste anthropozoophile Dermatophyt, der beim Menschen für die präpubertäre Tinea capitis sowie für die Tinea corporis und die Tinea faciale bei Erwachsenen verantwortlich ist (SIMPANYA u. BAXTER 1996). Betroffen von der Mikrosporie sind häufig Kinder, die mit infektiösen Tieren spielen. Die Mikrosporie äußert sich in Form scheibenförmiger, leicht geröteter Flecken auf der Haut, die von feinen Hautschuppen bedeckt sind. Oft sind auch die Kopfhaare befallen. Hier bilden sich kreisförmige Stellen, in denen die Haare alle auf der gleichen Höhe abgebrochen sind. Auf der Kopfhaut liegen feine . Normalerweise kommt es nur zu oberflächlichen Infektionen. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem und bei Kindern kann es aber als Komplikation auch zu einem Befall innerer Organe kommen. Derzeit geht man von etwa 10.000 Erkrankungen im Jahr aus.

Säugling

Abbildung 3: Säugling mit M. canis Infektion

 

Kleinkind

Abbildung 4: Kleinkind mit M. canis Infektion

 

Dermatophyt und Wirt

Klinisch manifeste Hautläsionen sind bei adulten Katzen nicht oft zu beobachten, da bei dieser Tierart selten deutliche Entzündungsreaktionen der Haut gegen M. canis verursacht werden (MORIELLO 1990, PETERS 2000). Der Hautpilz ist gut an Katzen adaptiert, da er ohne Entzündungsreaktionen auszulösen auf deren Haut leben kann (MEDLEAU u. RISTIC 1992). Das Auftreten und das Ausmaß einer klinisch manifesten Mikrosporie hängt einerseits von der Erregermenge und -virulenz, andererseits von der individuellen Veranlagung ab (LEIMBECK 1977). Bei Katzenwelpen kann eine M. canis- lebensbedrohlich sein. Bei ihnen sind die Entzündungsreaktionen oft viel deutlicher ausgeprägt als bei ausgewachsenen Tieren (MORIELLO 1990). Dabei spielt auch der geringe Gehalt an Körperfettsäuren in der Haut von Jungtieren eine Rolle, die eine fungistatische Wirkung haben (MORIELLO 1990, BRUHN 1992). Adulte Katzen besitzen oft eine erworbene Immunität (DE BOER u. MORIELLO 1993, MIGNON et al. 1999). Die Inkubationszeit dauert in der Regel eine bis vier Wochen. (BÖHM 1981, SPARKES et al. 1995, PETERS2000). Bei der Katze kommt es zu einer klinisch manifesten Infektion, wenn es dem Dermatophyten gelingt, erfolgreich mit der physiologischen Hautflora und anderen Abwehrmechanismen zu konkurrieren. Er penetriert dann in die keratinisierten Schichten der Epidermis, in die Haarbälge und Haare. Die Pilzsporen wachsen dabei zu verzweigten und septierten Hyphen aus. Während seines Wachstums bildet M. canis Enzyme, mit deren Hilfe er das Stratum corneum und die Haarkutikula durchdringt. Er wächst innerhalb von etwa 7 Tagen am Haarschaft entlang in die Tiefe und umgibt dabei als ektotrich wachsender Hautpilz das Haar mit einem dichten Sporenmantel (MORIELLO 1990, MEDLEAU u. RISTIC 1992). An der oberen Grenze des Haarbulbus, der „Adamsonschen Quaste“, endet sein Wachstum (WEBER u.WEISS 1985). Hier befinden sich Zellen mit mitotischer Aktivität; Dermatophyten können jedoch nur in keratinisierten Zellen von Haut, Haaren und Nägeln wachsen (WEBER u.WEISS 1985). KIRK (1977) beobachtete, daß das Wachstum der Hautpilze zudem nur auf Haaren möglich ist, die sich in der anagenen, d.h. in der Wachstumsphase befinden. In die Kutikula telogener Haare, die im Wachstums-Ruhestadium stehen und somit nicht mitotisch aktiv sind, können sie nicht eindringen. Nach den Beschreibungen von BRUMM (1985), BRUHN (1992) sowie KRAFT u. DÜRR (1985) wird der Dermatophyt von dem wachsenden Haarschaft passiv an die Hautoberfläche geschoben. Die vom Hautpilz produzierten Stoffwechselprodukte führen zu einer entzündlichen Reaktion der Haut des Wirtes. Das Ausmaß der Entzündung ist neben Menge und Art der produzierten Stoffe stark vom Immunstatus der Katze abhängig (Brumm, 1985; Kraft u. Dürr, 1985; Bruhn, 1992). Histopathologisch beobachtet man Follikulitis, Perifollikulitis, Furunkulose, perivaskuläre Dermatitis und Hyperkeratose (Medlau u. Ristic, 1992). Nach Brumm (1985), Moriello (1990) und Willemse (1999) wandert M. canis durch die Wachstumshemmung infolge dieser Reaktionen und andererseits durch die begrenzte Menge an Hornschichtmaterial an der Eintrittspforte in die Peripherie zu den benachbarten Haaren. Die anfangs im Zentrum bestehende Entzündungsreaktion nimmt ab, während sie zum Rande hin zunimmt. Es entsteht das klassische Bild der Mikrosporie mit zentraler Heilzone und erythematösem Ringwall (Brumm, 1985; Moriello, 1990; Willemse, 1999). Viele Katzen werden jedoch in einem Erkrankungsstadium vorgestellt, wo die sichtbaren Hautläsionen nicht direkt auf eine Pilzinfektion schließen lassen.

Diagnose Therapie
[Microsporum] [Diagnose] [Therapie]