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FELINE IMMUNDEFIEZIENZ VIRUS (FIV)

Häufig gestellte Fragen und Antworten aus der Praxis

© Dr. Michael Streicher – Fachtierarzt für Kleintiere

Das Feline Immundefizienz Virus (FIV) löst bei Katzen eine Immunschwächekrankheit aus, die dem Erkrankungsbild der HIV-Infektion des Menschen stark ähnelt. Umgangssprachlich wird deswegen auch von Katzen-AIDS gesprochen. Bereits 1986 wurde das Virus bei Hauskatzen isoliert. Eine Übertragung auf den Menschen ist bis heute nicht beschrieben worden. Es ist bisher in keinem einzigen Fall gelungen, das Virus in menschlichen Zellen oder Zelllinien zur Vermehrung zu bringen. Häufig herrscht Unklarheit, wie mit einer erkrankten Katze umgegangen werden sollte. Dieser Text möchte die Unklarheiten beseitigen und dem interessierten Leser diese Erkrankung näher bringen.

Wie „arbeitet“ das Virus?

Das Virus greift diejenigen Zellen des Körpers an, die im Dienste der Infektabwehr stehen. Infizierte Katzen können jahrelang gesund und glücklich leben, bis es zum Versagen des Immunsystems kommt. Harmlose Erreger, die bei gesunden Tieren keine  Krankheitssymptome auslösen, führen bei immungeschwächten Tieren zu schweren Erkrankungen bis hin zum Tod. Ist die Erkrankung erst einmal ausgebrochen, gibt es keingeeignetes Medikament, um das Immunsystem wieder in seiner Funktion zu stärken.

Wie wird das Virus übertragen?

Am häufigsten wird das Virus durch Bissverletzungen übertragen, da es in hohen Konzentrationen im Speichel einer erkrankten Katze vorkommt. Auch enge Sozialkontakte können in sehr, sehr seltenen Fällen zu einer Ansteckung führen. Welpen können bereits im Mutterleib oder beim Säugen infiziert werden.Die Übertragung durch Sexualkontakte hat eine untergeordnete Bedeutung. Zurzeit ist noch unklar, ob blutsaugende Parasiten wie Flöhe die Erkrankung übertragen können.

Gibt es einen FIV-Test?

Die vorhandenen FIV-Tests erkennen Antikörper gegen das Virus im Blut. Kein Test ist 100% sicher, so dass es auch hier zu falschen Ergebnissen kommen kann. Dies kann folgende Gründe haben:

1.  Die Antikörper werden von dem üblichen Standarttest nicht erkannt.

2.  Es zirkulieren trotz Infektion noch keine Antikörper im Blut.Vom Zeitpunkt der Infektion (z. B. durch eine Bissverletzung) bis zum Nachweis von Antikörpern, können 8 Wochen vergehen. Auffällige, negativ getestete Katzen sollten deswegen 8 bis 12 Wochen nach der ersten Blutuntersuchung nochmals getestet werden.

3.  Katzenwelpen von FIV-positiven Kätzinnen erhalten über die Milch der Mutter Antikörper. Bei einer Blutuntersuchung solcher Welpen, werden diese als FIV-infiziert getestet, da die Antikörper der Mutter in deren Blut zirkulieren. Obwohl alle diese Welpen Antikörpertiter aufweisen, werden nur 30% der Welpen tatsächlich mit FIV infiziert. Die von der Mutter übertragenen Antikörper können bis zu 4 Monate bei den Welpen im Blut nachweisbar sein. Es ist daher ratsam, verdächtige Welpen erst in einem Alter von mindestens 6 Monaten zu testen. Das Virus kann in Laboren isoliert werden, so dass man hier unabhängig von der Antikörperbildung eine Diagnose stellen kann. Diese Tests kommen dann zum Einsatz, wenn an dem vorliegenden Testergebnis Zweifel aufkommen. Wir lassen unsere Proben von Vet Med Labor in Ludwigsburg untersuchen,

Welche Symptome zeigt FIV?

FIV hat keine spezifischen Symptome, das heißt, man kann aufgrund der Symptome Ihrer Katze nicht auf Katzen-AIDS schließen. Je nach Krankheitsverlauf kann schlechtes Fell, Fieber, starke Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit oder auch Durchfall auftreten. Häufig zeigen sich chronische oder wiederkehrende Entzündungen von Haut, Harnblase und des oberen Atmungstraktes. Bindehaut-, Zahnfleisch-, und Maulschleimhautentzündung können auch Hinweise auf eine Infektion geben.

Gibt es eine Impfung gegen FIV?

Wie bei HIV, ist die Entwicklung einer wirksamen Impfung gegen FIV aufgrund der hohen Anzahl und Variationen der Virus-Stämme schwierig. In den USA gibt es seit einigen Jahren einen FIV-Impfstoff, man weiß jedoch noch nicht genau, ob dieser Impfstoff den erhofften Erfolg bringen wird. In Deutschland ist dieser Impfstoff nicht zugelassen, eine Impfung ist folglich bei uns nicht möglich.

Gibt es Behandlungsmöglichkeiten?

Nein, es gibt derzeit kein Medikament, welches die Erkrankung besiegen kann. Zurzeit gibt es einige Studien mit Interferonen, wissenschaftliche Auswertungen stehen aber noch aus. Erste Ergebnisse zeigen aber eine gewisse Wirksamkeit und könnten beim Vorliegen weiterer positiver Resultate einen viel versprechenden Ansatz zur Krankheitsbekämpfung liefern.

Meine Katze hat FIV. Was nun?

Sollten Sie die Diagnose FIV von Ihrem Tierarzt erhalten, ist das kein Grund, Ihre Katze einzuschläfern. Ihre Katze kann noch bis zu 10 Jahre glücklich leben, bevor es zum Ausbruch der Krankheit kommt. Bei vielen Katzen bricht die Erkrankung aber auch sehr viel früher aus. Es gibt momentan keinen sicheren Beweis, dass alle infizierten Katzen auch eine Immunschwäche ausbilden und daran sterben, es sieht aber leider danach aus. Sie sollten alles dafür tun, dass Ihre infizierte Katze, und auch die Katze der Nachbarn, keinen unnötigen Risiken ausgesetzt sind. Fragen Sie Ihren Tierarzt, wie man Ihre Katze dabei unterstützt, noch lange bis zum möglichen Ausbruch der Immunschwäche glücklich und gesund zu leben ohne dabei andere Katzen zu gefährden.

Woran erkenne ich den Ausbruch der Erkrankung?

Sollte Ihre FIV-erkrankte Katze einen Schnupfen, Husten oder ähnliches entwickeln, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die Immunschwäche nun ausgebrochen ist. Es ist wichtig zu wissen, dass auch FIV erkrankte Katzen sich erkälten können, ohne dass man diese direkt einschläfern muss, weil man den Ausbruch der Erkrankung befürchtet. Solange das Immunsystem nicht durch das Virus zerstört ist, kann jeder bakterielle Infekt mit Medikamenten behandelt werden. Auch hier ist die Kommunikation mit Ihrem Tierarzt wichtig, damit für Ihre Katze die optimale Behandlung gewählt werden kann.

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