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FELINE INFEKTIÖSE PERITONITIS (FIP)
Häufig gestellte Fragen und Antworten aus der Praxis
© Dr.Michael Streicher – Fachtierarzt für Kleintiere, Katzen-Praxis Oberursel
Die FIP ist eine Infektionskrankheit der Katze, welche durch das Feline Coronavirus (FCoV) ausgelöst werden kann. Die Erkrankung der FIP verläuft tödlich, jedoch entwickeln nicht alle Katzen mit einer FCoV-Infektion eine FIP. Dieser Bericht möchte die häufigsten Fragen aus der tierärztlichen Praxis näher beleuchten und die Schwierigkeiten der Diagnostik verständlich darstellen.
Der „FIP-Test“ - wann wird er gemacht?
Nicht selten kommen besorgte Katzenhalter zum Tierarzt mit der Bitte, einen „FIP-Test“ zu machen. Häufige Gründe sind: .
Eine Katze aus dem gleichen Haushalt ist an FIP gestorben. .
Die Nachbarkatze ist an FIP erkrankt. .
Bevor man eine zweite Katze in den Haushalt holt, möchte man wissen, ob das neue Tier an FIP erkrankt ist.
Der Tierhalter möchte zur eigenen Beruhigung den Gesundheitsstatus des eigenen Tieres wissen. Der „FIP-Test“ wie er beim Tierarzt durchgeführt wird, beruht auf dem Nachweis von Antikörpern im Blut. Richtigerweise sollte dieser Test als „Coronavirus-Antikörper-Test“ bezeichnet werden, da derzeit mit keinem auf dem Mark erhältlichen Test eine FIP sicher diagnostiziert werden kann. Der Tierarzt kann mit dem „FIP-Test“ keine FIP-Infektion feststellen, sondern nur, ob die Katze Kontakt zum Felinen Coronavirus hatte.
Das Virus – immer tödlich?
Das tödliche FIP-Virus ist primär ein harmloses Coronavirus (FCoV), welches in einigen Katzen zum todbringenden Virus mutiert. In welchen Katzen und warum das stattfindet, ist nicht vorherzusagen. Der größte Anteil der erkrankten Katzen ist jünger, FIP kann jedoch in jeder Altersstufe auftreten. Ungefähr 50% aller Katzen in Deutschland haben Antikörper gegen Coronaviren und damit auch einen positiven „FIP-Test“. Diese Katzen jedoch als FIP-positiv zu bezeichnen wäre falsch. Nur ein geringer Prozentsatz der Coronavirusantikörper positiven Katzen entwickeln tatsächlich eine FIP und sterben letztendlich daran. Der Rest der infizierten Katzen zeigt in der Regel keinerlei besorgniserregende Symptomatik und entwickelt auch keine FIP.
Die Infektion – wer steckt wen an?
Die Infektion mit dem Coronavirus erfolgt mit der Virusaufnahme über Mund und Nase. Die Virusausscheidung erfolgt vor allem über den Kot, jedoch ist eine Übertragung auch über Körperflüssigkeiten möglich, wenngleich das Infektionsrisiko hierbei sehr gering ist. Selbst tatsächlich an FIP erkrankte Katzen scheiden das mutierte Virus nicht aus, sondern nur das zunächst harmlose Coronavirus. Experimentell gelingt die Übertragung der FIP untereinander nur durch die Übertragung von Bauchwasser von einer erkrankten auf eine gesunde Katze. Die intrauterine Übertragung von einem infizierten Muttertier auf die ungeborenen Welpen scheint keine Rolle zu spielen. Die Infektion von Katzenwelpen erfolgt im Alter von sechs bis acht Wochen, da zu dieser Zeit die maternalen Antikörper ihre Wirksamkeit verlieren. Eine Übertragung des bereits mutierten Virus wurde unter natürlichen Bedingungen bisher nicht nachgewiesen.
Welchen Verlauf kann eine Infektion nehmen?
Das z.B. über die Nase aufgenommene Coronavirus gelangt in den Dünndarm, vermehrt sich dort und zerstört dabei die Darmzellen. Dabei werden Viren frei, die wiederum weitereDarmzellen befallen. Hierbei kann es zu Durchfällen kommen. Bis zu einem Drittel der Katzen scheiden den Erreger lebenslang aus, anderen gelingt die Viruselimination. Bei einem geringen Prozentsatz der infizierten Katzen mutiert das FCoV und führt dann zu einer FIP. Die einzige Möglichkeit das Risiko einer Virus-Mutation gering zu halten, ist die Vermehrungsrate des Virus einzuschränken. Je stärker sich das Virus vermehrt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der Mutation. Bei diesen Katzen sollte Stress vermieden werden sowie immunsupprimierende Medikamente nur in Notfällen verabreicht werden. Die Reinfektion über den eigenen Kot kann nur durch strikte und häufige Säuberung der Katzentoilette eingeschränkt werden. Das FCoV kann bis zu sieben Wochen im angetrockneten Kot überleben.
Wie kann man eine FIP diagnostizieren?
Das mutierte Feline Coronavirus ist das eigentliche FIP-Virus. Dieses mutierte Virus stellt sich leider genauso dar, wie das nicht mutierte Feline Coronavirus. Eine Unterscheidung dieser beiden Viren ist somit nicht möglich. Das mutierte Virus benutzt jedoch zu seiner Verteilung in der Katze bestimmte „Transportzellen“, die Makrophagen. Das unmutierte FCoV ist dagegen nicht in Makrophagen zu finden. Sollte also mit Hilfe aufwendiger Verfahren das FCoV in einem Makrophagen nachgewiesen werden, trägt die Katze das mutierte Virus in sich und wird an der FIP sterben. In der tierärztlichen Praxis führen eine Reihe von Untersuchungen (z.B. Blutbild, Röntgen, Ultraschall, Punktion, Rivalta-Probe) zu der Verdachtsdiagnose einer FIP-Erkrankung. Erst bei entsprechender klinischer Symptomatik und aussagekräftiger Untersuchungsergebnisse spricht man von FIP. Anhand des herkömmlichen „FIP-Tests“, bei dem der Kontakt mit dem FCoV nachgewiesen wird, kann die Erkrankung nicht diagnostiziert werden.
Darf meine infizierte Katze nach draußen?
Ja, denn für andere Katzen besteht keine große Gefahr der Infektion. Die Gefahr einer Reinfektion, und somit der Gefahr einer höheren Mutationsrate der erkrankten Katze durch Kot ist im Freien im Gegensatz zur Wohnungskatze deutlich geringer. Im Freien verscharren Katzen ihren Kot und benutzen in der Regel nie zweimal den gleichen Ort.
Wie sollte man den „FIP-Tests“ interpretieren?
Der Antikörpernachweis auf das FCoV sollte sehr vorsichtig interpretiert werden. Hohe oder steigende Titer kommen oft bei gesunden Katzen vor, die aber niemals eine FIP entwickeln. Je höher der Antikörpertiter jedoch ist, desto höher ist die Menge des im Kot ausgeschiedenen Virus. Ein sehr hoher Antikörperspiegel im Blut einer Katze macht das Vorhandensein einer FIP wahrscheinlicher, wogegen aber bei ungefähr 10 % der Katzen mit einer definitiven FIP keine Antikörper im Blut nachweisbar sind.
Meine Katze hat einen positiven FIP-Test – und nun?
Ein positiver Antikörpertiter kann bei Ihrer Katze folgendes bedeuten: .
Ihre Katze hat eine harmlose FCoV-Infektion. .
Ihre Katze hat das Virus eliminiert und besitzt noch (sinkende) Antikörpertiter. .
Ihre Katze wurde geimpft und hat niedrige Antikörpertiter. .
Ihre Katze hat tatsächlich FIP.
Meine Katze hat einen negativen FIP-Test – und nun?
Ein negativer Antikörpertiter kann bei Ihrer Katze folgendes bedeuten: .
Ihre Katze ist gesund..
Ihre Katze hat FIP und ist bereits schwer erkrankt.
Kann ich meine Katze gegen FIP impfen?
In Deutschland steht ein intranasaler Impfstoff zur Verfügung. Bei FCoV infizierten Katzen sollte keine Impfung durchgeführt werden. Die Effektivität der Impfung ist als fraglich anzusehen, möglicherweise kann das Auftreten von FIP bei FCoV negativen Katzen reduziert werden. Die Impfung ist nicht schädlich und löst auch keine FIP aus. Bei unter 16 Wochen alten Katzen sollte die Impfung nicht durchgeführt werden.
Kann ein mit FCoV infizierter Zuchtbestand „saniert“ werden?
Ja, theoretisch ist das möglich, es ist jedoch sehr langwierig, teuer und aufwendig. Sollte hier Bedarf besehen, sollte sich der Katzenhalter mit seinem Tierarzt zur weiteren Besprechung in Verbindung setzen. Sollten Züchter während der Sanierungsphase nicht auf Welpen verzichten wollen, gibt es hier die Möglichkeit durch das Frühabsetzen der Welpen eine Übertragung auf diese zu verhindern.
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