Die Diagnostik
Ein Pilzbefall wird von vielen Tierhaltern unterschätzt. Trotz eindeutiger Diagnose, werden Behandlungsempfehlungen und Hygienemaßnahmen vom Tierhalter oft nur unzureichend umgesetzt. Um erneute und weitere Infektionen anderer Tiere oder des Menschen zu verhindern, ist es im Falle einer diagnostizierten Microsporie der Katze wichtig, dass die Infektionsquelle identifiziert wird, um diese gezielt zu therapieren (Böhm u. Langbein, 1982; Howell et al., 1999). Im Internet, insbesondere in Katzenforen, kursieren viele Ideen zur Behandlung und Diagnostik. Nachfolgend die tierärztlichen Diagnosemöglichkeiten zum Nachweis oder Ausschluss einer Infektion mit Microsporum canis:
Wood‘sche Lampe
Die Wood`sche Lampe emittiert langwelliges UVA-Licht in einem Bereich von etwa 250 Nanometer Länge. Vor deren Benutzung muss diese fünf Minuten aufgewärmt und der Raum sollte für die Untersuchung vollständig abgedunkelt werden. Der Nachweis von M. canis mittels Wood`scher Lampe beruht auf dessen Fähigkeit, Tryptophan- Metaboliten zu produzieren, die unter der Wood`schen Lampe fluoreszieren (Janssen-Müller, 1988; Moriello, 1990; Mayr, 1993; Böhm 1994; Moriello u. De Boer, 1995; Carlotti 1997; Kefalidou et al., 1997; Paterson, 2000; Peters, 2000). Nur Pilze, die in aktiv wachsenden Haaren leben sind in der Lage, diese Fluoreszenz auszulösen. Die Fluoreszenz ist demnach nicht in Hautschuppen, Krusten und auch nicht auf einer positiven Pilzkultur zu finden. Asymptomatische Sporenträger sind auf diese Weise nicht zu identifizieren. In nur 50 - 80 % der befallenen Katzen mit Microsporum canis produziert der Pilz diese Stoffwechselprodukte, die unter Beleuchtung der Wood`schen Lampe eine gelbgrüne Fluoreszenz zeigen (Brumm, 1985, Ackerman, 1991; Medleau u. Ristic, 1992; De Boer u. Moriello, 1995; Paterson, 2000). Andere Dermatophyten wie M. gypseum und Trichophyton mentagrophytes oder T.verrucosum zeigen keine Fluoreszenz. Keine Fluoreszenz bedeutet aber nicht, dass kein Pilz vorhanden ist. Salben, Schampoos und Cremes können zu einer Unterdrückung der typischen M. canis - Fluoreszenz unter der Wood`schen Lampe führen. Aber auch falsch positive Ergebnisse sind nach topischer Salben- anwendung oder einer Hautbesiedlung mit Pseudomonas aeruginosa möglich. Diese fälschlichen Fluoreszenzen sind meist nicht im Bereich der Haarschäfte zu finden, so dass eine richtige Zuordnung bei geübten Untersuchern möglich ist. Gelblich aufleuchtende Krusten, Schuppen und Staubpartikel führen häufig zu falsch-positiven Ergebnissen. Die Wood`sche Lampe ist eine zusätzliche Diagnosemöglichkeit, mit deren alleinigem Ergebnis weder ein Pilz bestätigt noch ausgeschlossen werden sollte.
Pilzkultur
Zur Untersuchung kommen Haare in auffälligen Hautarealen, die unter der Wood`schen Lampe fluoreszieren. Bei fehlender Fluoreszenz (oder bei Fehlen der Lampe) sollten längere Haare bis wenige Millimeter über der auffälligen Haut gekürzt werden. Bevor man die Haare mit einer Klemme herausrupft, kann die Haut mit Alkohol betupft werden, um mögliche Kontaminanten zu beseitigen. Wichtig bei der Desinfektion ist, dass man nicht über die Probenentnahmestelle wischt, da sonst mögliche Pilze mit entfernt werden. Mit einer sterilen und trocknen Skalpellklinge können Krusten und Schuppen für die Probe entnommen werden. Es sollte nicht zu viel Material sein, um Überwucherungen mit Sekundärerregern zu vermeiden. Eine gute Möglichkeit bei klinisch unauffälligen Katzen eine aussagekräftige Haarprobe zu erhalten ist die MacKenzie-Toothbrush-Method (Weiss, 1983; Brumm, 1985; Janssen-Müller, 1988; Moriello, 1990; Hönel, 1995; Moriello u. De Boer, 1995; Peters, 2000). Hierbei werden mittels einer Zahnbürste durch zweiminütiges Bürsten aller Körperpartien Haare gewonnen, die später im Labor untersucht werden. Entschließt man sich eine Pilzkultur im eignen Hause
anzulegen, muss die Auswahl des Nährmediums nach dem zu erwartenden Ergebnis erfolgen. Das am häufigsten verwendete Nährmedium ist der Sabouraud-Dextrose-Agar, wobei idealerweise zwei Ansätze bei unterschiedlichen Temperaturen bebrütet werden sollten. M. canis wächst meist innerhalb von zwei Wochen. Die Sporen von symptomfreien Trägertieren benötigen bis zu einem positiven Nachweis auf dem Agar bis zu drei Wochen. Eine Gesamtbebrütungsdauer von vier Wochen mit täglicher Kontrolle ist immer einzuhalten. In vielen Hautläsionen sind Hefen und Schimmelpilze als sekundäre Begleiterreger zu finden, die auf Testmedien wie dem Sabouraud-Agar ein schnelles Wachstum aufweisen. Wichtig ist die Unterscheidung dieser Sekundärerreger von dem eigentlichen Primärkeim Microsporum canis. Aus diesem Grunde sind viele Agars mit Cycloheximid, Gentamicin und Chlortetracyclin versetzt. So sollen Bakterien und saprophytishe Pilze in ihrem Wachstum gehemmt werden. Als pH- Indikator ist Phenolrot zugesetzt. M. canis verstoffwechselt die ersten sieben bis zehn Tage Protein aus dem Nährmedium, wodurch ein alkalisches Milieu entsteht. Aufgrund der pH-Wertänderung kommt es zu einem Farbumschlag des Agars. Die meisten anderen Pilze verbrauchen zuerst Kohlenhydrate, dann erst Protein. Bei diesen kommt es erst nach ca. 14 Tagen zu einem Farbumschlag des Agars.Im Gegensatz zu M. canis wird der Farbumschlag bei Saprophyten erst bemerkt, wenn die Kultur schon einige Zeit gewachsen ist und eine gewisse Größe erreicht hat. Die gewachsene Kultur muss zur genaueren Bestimmung mikroskopisch untersucht werden. Dazu wird ein durchsich- tiger Klebestreifen auf die Kultur gelegt, und
zusammen mit einem Tropfen Methylenblau auf einen Objektträger gebracht. Die Unter- scheidung und Be- stimmung der Pilze erfordert Erfahrung und kann zu Schwierigkeiten führen. In unklaren Fällen sollte die Kultur an ein Labor geschickt werden. Microsporum canis zeigt in der Kultur ein weißes, baumwollähnliches Wachstum (Abbildung oben links). In der mikroskopischen Untersuchung zeigen sich spindelförmige, dickwändige Makrokoniden mit endständigem Pfopfen und 6-9 Unterteilungen (Abbildung rechts).
Trichogramm
Unter einem Trichogramm versteht man die mikroskopische Beurteilung von Haaren. Diese werden mit einer Klemme oder Pinzette aus auffälligen Bereichen herausgezupft. Besonders geeignet sind die Grenzbereiche alopezischer Areale und Stellen mit akutem Haarverlust. Die entnommenen Haare werden auf einen Objektträger gebracht, mit einem Tropfen Paraffin-Öl fixiert und ein Deckglas
aufgebracht. Probe wird mikroskopisch unter 40- bis 100-facher Vergrößerung Untersucht. Die Identifizierung von Kutikel, Mark und Rinde von befallenen Haaren ist meist unmöglich (Abbildung links). Die Erfahrung des Untersuchenden beeinflusst die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose ganz entscheidend. Negative Trichogramme bei hochgradiger Mikrosporie sind bei optimaler Probenentnahme und Bewertung nicht selten. Seine Diagnose aufgrund eines Trichogramms zu stellen ist äußerst unzuverlässig. direkte Pilznachweis von Haar- und Hautproben gelingt mikroskopisch im Nativpräparat, wenn durch die Zugabe zur Probe von DMSO (die Aufweichung des Keratinmaterials erfolgt ist (Kunstyr et al., 1980; Moriello, 1990; Mayr, 1993; Böhm, 1994; Kraft u. Dürr, 1995; Moriello u. De Boer, 1995; Siesenop et al., 1996). Auch Kaliluage wird verwendet um das horn im probenmaterial aufzulösen. Durch die Lauge werden die haare gebleicht, so dass Pilzustrukturen leichter erkannt werden können. Nach einer Wartezeit von zwei Tagen kann die Probe licht- oder fluoreszenzmikroskopisch untersucht werden (JANSSEN-MÜLLER 1988; MAYR 1993; MORIELLO u. DeBOER 1995b; SPARKES et al. 1996; PETERS 1999).
Hautbiopsie
Hautbiopsien werden im Rahmen der Pilzdiagnostik selten entnommen. In 60-80 % der Fälle ergeben diese jedoch eine gesicherte Diagnose. In den übrigen 20 - 40% wird eine Follikulitis unklarer Ätiologie diagnostiziert, die bei entsprechender Differentialdiagnose den Verdacht erhärtet. Parallel zur Biopsie sollte immer eine Kultur angelegt werden, um den Pilz namentlich zu identifizieren. Der große Vorteil einer Biopsie ist die rasche Diagnose, die man meist bereits nach einigen Tagen vom Labor erhält. Der Nachteil ist die Invasivität, da bei Katzen häufig eine Sedation erforderlich ist. Einige Katzen können jedoch mit einem Lokalanästhetikum (Lidocain 2 %) gut biopsiert werden. Die Gesamtdosis sollte bei Katzen nicht mehr als 3 ml Lidocain betragen. Für eine Stanze mit 8 mm Durchmesser genügen 0,3 ml Lidocain s.c. Je größer die entnommene Biopsie, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose. In der Katzen-Praxis nehmen wir für Hautbiopsien 8 mm Stanzen.






