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Meine Katze hat Diabetes. Wie geht es Weiter?
Fragen und Antworten aus der Praxis
© Dr. Michael Streicher – Fachtierarzt für Kleintiere, Katzen-Praxis Oberursel
Die Zuckerkrankheit der Katze ist eine nicht seltene Erkrankung. Oft sind Tierhalter nach der Diagnose verunsichert und fühlen sich mit der Situation überfordert. Im Vergleich zum Menschen und zum Hund gibt es deutliche Unterschiede in der Entstehung und dem Krankheitsverlauf des Diabetes mellitus der Katze. Betroffene Katzenhalter müssen von Ihrem Tierarzt genau über die Erkrankung aufgeklärt werden. Zum Nachlesen sind hier die häufigsten Fragen aus der tierärztlichen Praxis für Sie in Kürze zusammengefasst.
Meine Katze hat Diabetes. sind ihre Geschwister auch gefährdet?
Nein, zurzeit gibt es keinen 100% sicheren wissenschaftlichen Beweis, dass Katzendiabetes vererbbar ist. Die einzige Ausnahme ist bei Burma-Katzen zu finden, bei der in manchen Linien eine Vererbung der Krankheit vorkommt.
Muss ich meine Katze jetzt lebenslang mit Insulin spritzen?
Bei rechtzeitiger Erkennung und guter Behandlung kann in bis zu 60% der Katzen der Diabetes sich nach einigen Monaten wieder normalisieren und die Insulin-Injektionen sind nicht mehr nötig. In den Fällen, wo es zu keiner Normalisierung kommt, muss lebenslang gespritzt werden.
Kann ich nicht Tabletten anstelle der Spritzen geben?
Bis zu 50% der erkrankten Katzen leiden an einem Typ II Diabetes (relativer Insulinmangel). Die so genannten oralen Antidiabetika (Tabletten) können in diesen Fällen versucht werden, es gibt jedoch Katzen, die nicht darauf ansprechen. Versucht werden dürfen die Tabletten nur, wenn die Katze bei gutem Allgemeinbefinden ist und noch keine schwerwiegenden Krankheitssymptome des Diabetes zeigt. Bei vielen Katzen nimmt die Wirkung der Tabletten nach einigen Wochen oder Monaten ab und erzielen keine Wirkung mehr. Meist stellt auch die zweimal tägliche Gabe der Tabletten ein Problem dar („ich bekomme die Tabletten einfach nicht in meine Katze rein“), so dass in fast allen Fällen auf Insulin-Injektionen zurückgegriffen werden muss.
Ich kann zeitlich nicht alle 12 Stunden Insulin spritzen. Hat meine Katze dann überhaupt eine Chance das zu überstehen?
Kaum einem Katzenhalter ist es möglich, exakt alle 12 Stunden für sein Tier da zu sein. Dies wäre zwar optimal, ist aber in der Realität nicht immer einzuhalten. Es muss ein für Sie passendes Behandlungsintervall gefunden werden, mit dem Sie und die Katze gut zu recht kommt. Sollte Ihre Katze an manchen Tagen nur eine Injektion bekommen können, weil Sie z. B. nicht da sind, oder sollte der Zeitraum zwischen zwei Injektionen länger als 12 Stunden sein, wird das in der Regel keine Probleme verursachen. Injektionsintervalle die jedoch kürzer als 10 Stunden sind sollten vermieden werden. Erstellen Sie zusammen mit Ihrem Tierarzt einen Behandlungsplan. Eine vom optimalen Intervall (alle 12 Stunden eine Injektion) abweichende Behandlung ist besser als gar keine.
Muss ich die Ernährung umstellen?
Ja. Es hat sich gezeigt, dass die Fütterung einer kohlenhydratreduzierten und eiweißerhöhten Diät bei gleichzeitiger Insulingabe die Chancen der Katze verbessert, den Diabetes in den Griff zu bekommen. Hier gilt zu beachten, dass das Futter von der Katze gemocht wird. Sollte sie das Futter nicht mögen, muss wieder auf das herkömmliche Futter umgestellt werden. Das beste Diabetes-Futter nutzt nichts, wenn es nicht gegessen wird.
Muss ich bestimmte Fütterungszeiten einhalten?
Nein. Es sei denn, Ihre Katze isst die ganze Tagesration auf einmal auf. Hier muss das Futter auf mehrere Portionen aufgeteilt werden. Ihr Tierarzt hilft Ihnen aber gerne bei der Erstellung eines Fütterungsplanes.
Darf ich meiner Katze noch Leckerchen geben?
Ja. Achten Sie dabei jedoch darauf, dass diese wenig Kohlenhydrate und stattdessen mehr Proteine enthalten. Ist Ihre Katze auch noch zusätzlich auf Diät, sollte man natürlich auf die Menge der Leckerlis besonders achten und diese deutlich reduzieren.
Wie lange dauert es, bis der Diabetes gut eingestellt ist?
Das ist leider von Katze zu Katze sehr unterschiedlich. Auch der Tierarzt kann dies nicht vorhersehen. Während einige Katzen bereits nach einigen Tagen gut mit Insulin eingestellt sind, kann es bei anderen Katzen sehr lange dauern, bis sich ein sichtbarer Erfolg einstellt. Auch Rückschläge in der gesundheitlichen Verfassung Ihrer Katze sind möglich. Wichtig ist, dass Sie nicht eigenmächtig bei Ausbleiben des Therapieerfolges die Insulindosis erhöhen.
Wie oft muss ich zur Kontrolle zu meinem Tierarzt?
Auch das ist abhängig vom jeweiligen Therapieverlauf Ihrer Katze. Stellen Sie sich anfangs auf einen Tierarztbesuch pro Woche ein. Bei einigen Tierärzten werden so genannte Blutzuckertagesprofile angeboten, bei denen in der Anfangsphase der Insulintherapie engmaschig über 12 bis24 Stunden die Blutzuckerwerte in Verbindung mit der Insulininjektion gemessen werden. Dies hat den Vorteil, dass man einen Anhaltspunkthat, in wie weit Ihre Katze auf die Insulindosis mit Blutzuckerwertveränderungen reagiert. Es gibt auch Tierärzte, die unterweisen Sie in der eigenständigen Blutentnahme bei Ihrer Katze, so dass Sie zu Hause mit Hilfe eines Schnelltests unabhängig vom Tierarzt den Blutzuckerwert bestimmen können. Ist Ihre Katze erst einmal gut eingestellt und zeigt keine Krankheitsanzeichen, können die Besuchsintervalle auf 24 Mal im Jahr ausgeweitet werden.
Zusammenfassung
Auch wenn die Diagnose Diabetes mellitus Ihnen anfangs sicherlich einen großen Schreck einjagen wird, und Sie sich überfordert mit der Behandlung fühlen, lassen Sie sich bitte nicht entmutigen. Mit Insulin und einer speziellen Ernährung kann Ihre Katze noch lange glücklich mit dieser Erkrankung leben. Die meisten Katzen haben mit den täglichen Injektionen keine Probleme, zumal die Nadel der Insulinspritze sehr, sehr dünn ist und der Einstich fast nicht bemerkt wird. Ganz wichtig ist der Kontakt zu Ihrem Tierarzt. Sie müssen sich gut beraten fühlen und es dürfen keine Ihrer Fragen unbeantwortet bleiben.
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